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Stille Willkürreserven – ist der Warendrittel handelsrechtlich zulässig?

Die absichtliche Bildung von stillen Reserven ist nach dem heute geltenden Rechnungslegungsrecht (OR) nicht zulässig. Stimmt das? Nein,  es gibt 3 Hintertürchen, die die Bildung von stillen Reserven gestatten, nämlich „übersetzte Abschreibungen und Wertberichtigungen“, „übersetzte Rückstellungen“ oder „stehengelassene Rückstellungen“ (wenn beispielsweise der Grund für eine Rückstellung nicht mehr vorhanden ist). Alle anderen Bildungen von stillen Reserven sind nicht gestattet, weil sie gegen das Rechnungslegungsrecht (OR 960 f.) verstossen.

Wie steht es mit dem in Helvetien so hochgehaltene Warendrittel (Beispiel: das Wareninventar ergibt einen Wert von 100; es wird aber lediglich 67 (also ein Drittel weniger) bilanziert)? Es handelt sich um eine übersetzte Wertberichtigung (vgl. oben), welche m.E. gemäss OR 960a III nicht zulässig ist. Solche Wertberichtigungen dürfen nur beim Vorliegen von Wertverlusten vorgenommen werden und müssen dokumentiert sein – ein pauschaler Abzug (i.d.R. von einem Drittel) ist nicht zulässig. Der Einwand, steuerlich werde das ja akzeptiert, kann keine Rolle spielen, denn: die Bilanzierung richtet sich nach dem Obligationen- und nicht nach dem Steuerrecht.