Firmensteuern

Steuervorlage 2017 (SV17) aus der Perspektive der KMU’s

15Der Bundesrat hat vor ein paar Tagen die Details zur Steuervorlage 2017 publiziert; sie soll die (gescheiterte, d.h. vom Volk am 12. Februar 2017 abgelehnte) Unternehmenssteuerreform III (USR III) ersetzen.

Mein Fazit: eigentlich alter Wein in neuen Schläuchen. Ärgerlich sind die Steuererhöhungen (Teilbesteuerungsansatz wird erhöht!) für natürliche Personen Oder: die Steuerausfälle wegen der Abschaffung der Privilegien für Firmen mit speziellem Steuerstatus (Holdinggesellschaft, gemischte Gesellschaft, Domizilgesellschaft und Swiss Finance Branch). Und: die Patentbox ist für KMU’s quasi nicht erhältlich. Ferner ärgert mich auch: Belastung der in der Schweiz steuerpflichtigen Aktionäre und Privilegierung von zuziehenden Unternehmen Gewährung von steuerfreiem Goodwill, der in der Folge steuerwirksam abgeschrieben werden kann. So haben wir nicht gerechnet!

 

Im Einzelnen geht es (im Wesentlichen, meine untenstehende Liste ist nicht abschliessend) um folgendes:

  • a. Patentbox
    Soll auf kantonaler Ebene nach OECD – Standard eingeführt werden. Explicit werden nicht patengeschützte Erfindungen von KMU’s NICHT ermässigtMacht keine Freude!
  •  b. Superdeduction (deutsch: Überabzug) für Forschung und Entwicklung
    Erhältlich auch für KMU. Macht Freude!

 

  • c. Pauschale Steueranrechnung für Betriebsstätten von ausländische Unternehmen
    Neu: erhältlich! Gut so!

 

  • d. Dividendenteilbesteuerung
    Nur erhältlich für qualifizierte Beteiligungen von 70 % und mehr (jetzt 60%); macht gar keine Freude. Die Dividenden an inländische Aktionär soll also vermehrt doppelt besteuert werden. Gar  gut! Macht gar keine Freude!

 

  • e. Kinder- und Ausbildungszulagen
    Sollen um CHF 360 pa. erhöht werden.
    Macht an sich Freude – nur was haben die «Kinder- und Ausbildungszulagen» in einer «Steuervorlage» zu suchen. Man könnte geradesogut jedem treuen Steuerpflichtigen noch ein SUGUS verteilen…!

 

  • f. Aufdeckung stiller Reserven beim Zuzug in die Schweiz
    Eine «Blackbox» sondergleichen; da werden im Hinterzimmer der Steuerverwaltungen bei düsterem Licht stille Reserven geschustert, die dann in der Folge vom zuziehenden Unternehmen in der Steuerbilanz aktiviert und steuerwirksam abgeschrieben werden können; das hat mit Transparenz und gleiche Chancen für alle (inländische vs. ausländische Unternehmen) gerade gar nichts zu tun! Eine klar KMU – feindlicheBestimmung. Macht gar keine Freude!

 

  • g. Anpassung beim steuerfreien Kapitalgewinn
    Volle Besteuerung  für den Erwerb von «eigenen» Aktien welche sich bislang  im Streubesitz befanden; steuersystematisch korrekt – gehört aber nicht in eine Vorlage «Unternehmenssteuerreform» (die Vorlage heisst deshalb richtigerweise auch nicht «so» sondern – eben – SV 17).

 

Herr Bundesrat Maurer, so haben wir KMU eigentlich nicht gerechnet! Es kann nicht so sein, dass die KMU’s die OECD – Rechnung für die «Grossen» bezahlen müssen. Wir haben glücklicherweise  ein Parlament das darüber berät und es muss m.E. diese «Chose» ändern. Also Wohlauf, liebe Ständerätinnen/Ständeräte und Nationalrätinnen/Nationalräte bereinigt bitte diese Vorlage KMU-freundlich.

 

Autor: Michael Leysinger, dipl. Steuerexperte; LL.M. International Tax Law UZH; LL.M. Taxation(FH); LL.M. International VAT/MWST(FH).