Allgemein

469. Kunsthändler leben (steuerlich) gefährlich. By Michael Leysinger, LL.M. International Tax Law(UZH); dipl. Steuerexperte. SV17, STAF.

(10.01.2019) Der nachfolgende Fall wurde in den Medien intensiv (ich möchte sogar sagen voyeuristisch) abgehandelt. Deshalb möchte ich an dieser Stelle nicht (eben) voyeuristisch (sprich mit Schadenfreude) berichten.

Es spielten für den Steuerpflichtigen verschiedene ungünstige Umstände mit, die dann zur finanziellen Katastrophe (in Bezug auf die nachzuzahlenden Steuern, Bussen (auch Mehrwertsteuer) führten.

Der Steuerpflichtige ist zu grossem Vermögen gekommen und betätigte sich als Kunsthändler (er meinte natürlich, er sei keiner und agiere ausschliesslich als Hobby/Liebhaber).

Das war er natürlich nicht. Das Ganze fing an am 16. April 2013 als die Beamten der Eidg. Zollverwaltung frühmorgens vor der Villa des Kunstsammlers standen und eine Hausdurchsuchung starteten.

Es folgten weitere Untersuchungen von Steuerbehörden – letztlich landete das Ganze vor Bundesgericht (2C_766/2010);2C_399/2011), wo der Kunstsammler, Kunsthändler jeweils mit fliegenden Segeln unterging.

Es mussten immense Steuernachzahlungen geleistet werden; zumal sich auch noch die Mehrwertsteuer „einmischte“.

Der Steuerpflichtige und seine Frau mussten also Unsummen an Steuern und Bussgelder bezahlen. Für Details verweise ich auf die umfassende, gut dargestellt „Geschichte“ in der „Zuger Steuer Praxis“ (Dezember 2018/Nr. 69, S. 33 ff unter dem Titel „Internationaler Kunsthandel mit Schweizer Betriebsstätte„) und auf die oben genannten Bundesgerichtsentscheide.

Der Sammler (oder eben jetzt „Händler“) benutzte auch noch Offshore – Gesellschaften als Vehikel für seine Transaktionen. Wie eben erwähnt nutzte das steuerlich nichts, denn sie wurden als „Schweizer Betriebsstätten“ (mit umfassender Steuerpflicht) qualifiziert. Eine Offshore – Gesellschaft „einfach so“ als Transaktionsvehikel zu benutzen führt schnurstracks ins Verderben…

Aus den Materialien entnehme ich, dass der betroffene „Kunsthändler“ einen ganz wesentlichen Fehler beging: er unterschätzte seinen Feind.