MWST

Ab 1. Januar 2018 werden neu viele ausländische Unternehmen in der Schweiz mehrwertsteuerpflichtig

Ab 1. Januar 2018 werden neu viele ausländische Unternehmen in der Schweiz mehrwertsteuerpflichtig

 

Der Schweizer Bundesrat hat mit Wirkung auf den 1. Januar 2018 die Mehrwertsteuerpflicht für ausländische Unternehmen ausgedehnt, und zwar auch auf solche, die in der Schweiz reine Arbeitsleistungen erbringen. Ausländische Unternehmen müssen daher dringend überprüfen, ob sie durch ihre Tätigkeiten in der Schweiz künftig mehrwertsteuerpflichtig werden.

 

Der gesetzliche Überbau für Unternehmen, die bislang – das heisst bis zum 31. Dezember 2017 – in der Schweiz lediglich Arbeitsleistungen ausführten, bestand darin, dass sie von einer Steuerbefreiung Gebrauch machen konnten. Diese galt unabhängig von der Umsatzhöhe. Verfügte das ausländische Unternehmen über ein schweizerische Mehrwertsteuernummer und befand sich der Kunde (Leistungsbezüger) in der Schweiz, so musste das ausländische Unternehmen selbstverständlich auch für reine Arbeitsleistungen die Umsatzsteuer mit der Eidgenössischen Steuerverwaltung ESTV abrechnen.

 

Diese Gesetzesänderung hat zur Folge, dass neu alle Unternehmen (auch ausländische!) in der Schweiz mehrwertsteuerpflichtig werden, die reine Arbeitsleistungen für mehr als 100’000 Franken erbringen. Darunter fallen alle Arbeiten an Gegenständen – wie z.B. Montage, Reparatur, Installation, Prüfung oder Regulierung.

 

Pfiffig ist die neue Bestimmung, weil die eben erwähnte Umsatzgrenze von 100’000 Franken die von ausländischen Unternehmen im Ausland erbrachten Umsätze mitberücksichtigt. Im Extremfall kann es zu der folgenden Fallkonstellation kommen: Hat das ausländische Unternehmen in der Schweiz einen steuerpflichtigen Umsatz von 1 Franken und im Ausland einen solchen von 99’999 Franken, so wird dieses ausländische Unternehmen in der Schweiz subjektiv steuerpflichtig, obwohl es in der Schweiz lediglich einen einzigen Franken Umsatz erzielt! Das hat zur Folge, dass dieses Unternehmen sich mehrwertsteuerlich in der Schweiz registrieren lassen muss und sämtlich damit zusammenhängende Prozeduren (Quartalsabrechnungen etc.) über sich ergehen lassen muss. Dazu benötigt das Unternehmen obligatorischerweise einen Steuervertreter in der Schweiz.

 

Dazu ein Beispiel: Der in Deutschland ansässige Unternehmer «Franz-Josef» installiert für einen Kunden in der Schweiz eine Kühlanlage. Das deutsche Unternehmen «Franz-Josef» erbringt in der Schweiz lediglich eine Arbeitsleistung und – so nehmen wir es einmal an – nimmt auch kein Montagematerial mit, das – sofern vorhanden – der Schweizer Einfuhrbesteuerung (am entsprechenden Zollamt) unterliegen würde. Ferner nehmen wir an, dass das Unternehmen «Franz-Josef» in Deutschland einen Umsatz von mehr als CHF 100.000 erzielt.

 

In der alten Regelung (gültig bis am 31. Dezember 2017) konnte das Unternehmen «Franz-Josef» von einer Steuerbefreiung Gebrauch machen und musste sich demzufolge in der Schweiz nicht mehrwertsteuerlich registrieren lassen. Ab dem 1. Januar 2018 wird alles anders: Die Steuerbefreiung für das Unternehmen «Franz-Josef» ist nur noch dann gegeben, wenn diese einen jährlichen Umsatz (in Deutschland und im Ausland!) von weniger als 100.000 Franken erwirtschaftet. Sollte dies nicht so sein (was in der Regel der Fall sein dürfte), so entsteht für das Unternehmen «Franz-Josef» in der Schweiz eine subjektive Umsatzsteuerpflicht mit all seinen Folgen. Das Unternehmen «Franz-Josef» muss sich also in der Schweiz umsatzsteuermässig registrieren lassen und erhält von der Eidg. Steuerverwaltung eine CH – Mehrwertsteuernummer. Vorgängig muss das Unternehmen «Franz-Josef» einen schweizerischen Fiskalvertreter bestimmen – z.B. die Firma des Autors (Leysinger Tax & Finance Consultants Ltd, Zürich und Solothurn; michael@leysinge.tax ); dieser Fiskalvertreter ist dafür verantwortlich, dass die quartalsmässigen Abrechnungen (in Deutschland «Voranmeldungen» genannt) erstellt werden.

 

Das Unternehmen «Franz-Josef» muss nun bei der Rechnungsstellung für die in der Schweiz getätigten Umsätze mit der schweizerischen Mehrwertsteuer fakturieren. Im Gegenzug erhält das Unternehmen «Franz-Josef» als Folge der Registrierung den Vorsteuerabzug aus Schweizer Eingangsrechnungen. Oder anders ausgedrückt: Das Unternehmen «Franz-Josef» wird mehrwertsteuerliche gleich behandelt wie seine Schweizer Konkurrentin «Joseffränzu GmbH».

 

Bis zum 31. Dezember 2017 gilt für Lieferungen von kleinen Mengen mit unbedeutendem Wert bislang die Regelung, dass sie von den Einfuhrsteuern (eine quasi MWST) und Zollabgaben befreit sind. Waren bzw. Produkte , bei deren Einfuhr der Steuerbetrag von 5 CHF nicht überschritten wird, gelten als sogenannte Kleinwertsendungen. Wenn der Einfuhrwert inkl. Transportkosten unter 63 Franken liegt, so kann der ausländische Lieferant steuer- und zollabgabenfrei in die Schweiz liefern. Das ändert sich auf den 1. Januar 2018: die Mehrwertsteuerpflicht und die Besteuerung von solchen Kleinwertlieferungen sind nun am Ort der Lieferung (also Schweiz) gegeben. Wenn also – pro Lieferant – solche Kleinwertsendungen die Schwelle von CHF 100’000 übersteigen, ist die subjektive Mehrwertsteuerpflicht in der Schweiz gegeben (vgl. oben, 3. Alinea). Sollte der Lieferant aber auch noch ausländische (nicht schweizerische) Umsätze tätigen, so werden dieselben ebenfalls in die Berechnungen der subjektiven Mehrwertsteuerpflicht in der Schweiz angerechnet. Im Extremfall könnte bereits eine Kleinwertsendung dazu führen, dass die mehrwertsteuerliche Registrierungspflicht in der Schweiz gegeben ist.