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468. Der Verkauf eines Teils einer „Giacometti-Skulptur“ – was lernen wir daraus? By Michael Leysinger, LL.M. Taxation(FH); dipl. Steuerexperte. SV17, STAF.

(09.01.2019) Vorgestern (vgl. Blog Nr. 466) habe ich mich mit einem wichtigen steuerlichen Grundsatz auseinandergesetzt. Dies konkret mit der Frage, wann (einkommenssteuerpflichtiger) Kunsthandel vorliegt und wann man beim Erwerb und der Veräusserung von Kunstwerken von einer (steuerneutralen) „schlichten Verwaltung des privaten Vermögens“ sprechen darf.

Dabei stütze ich mich wieder auf die Erkenntnisse von Kollege Dr. Marcel R. Jung, der in der Dezember 2018 – Ausgabe der „Zuger Steuer Praxis“ einen bemerkenswerten Aufsatz (Kunst und Kunsthandel) zu  diesem (steuerlich) sehr komplexen Thema publiziert hat.

Heute ein weiterer interessanter Fall daraus: die Giacometti – Skulptur. Diese wurde von einem Kunstsammler teilweise (40%) verkauft. Da Letzterer noch „einige Kunstwerke mehr“ besass, tauchte rasch die steuerlich äusserst relevante Frage auf, ob er als gewerbsmässiger Kunsthändler zu qualifizieren sei.

Letztlich kam das Bundesgericht zum Zug (2C_766/2010) und befand, dass der Verkauf der Giacometti-Skulptur nicht auf Erwerb ausgerichtet sei. Also handelt es sich beim erzielten Kapitalgewinn um einen steuerneutralen Vorgang.

Es kommen – immer noch laut Bundesgericht – auch für die „Kunstwerkfälle“   die beim Verkauf von Wertschriften- oder Liegenschaften geltenden Regeln zum tragen. Oder anders ausgedrückt: war der Verkauf der Giacometti – Skulptur auf „Erwerb“ ausgerichtet? Diese Frage wurde schliesslich vom Bundesgericht verneint.

Der Autor Jung schliesst daraus, dass „ein einmaliger Verkauf eines Teils einer Kunstsammlung durch einen privaten Kunstsammler im Rahmen der privaten Vermögensverwaltung steuerfrei sein“ sollte.

Erfolgt – immer noch gemäss Jung – der Verkauf an einer Auktion, so müsste anders (also: gewerbsmässig)  entschieden werden.

Das – muss ich leider gestehen – kann ich nicht ganz nachvollziehen; hängt wohl damit zusammen, dass ich mit dem Kunsthandel „per se“ nicht vertraut bin.

Man lerne: ohne gewieften Steuerberater „Gewehr bei Fuss“ sollte man nicht Kunstsammler werden.