Allgemein, Firmensteuern, MWST, Persönliche Steuern, Steuervorlage 2017 (SV17)

317. Mehrwertsteuerliche Aspekte von Initial Coin Offerings. By Michael Leysinger, LL.M. International Tax Law (UZH); dipl. Steuerexperte. SV17.

(11.08.2018) Im gestern erschienen EXPERT FOCUS 2018/8 (u.a. Fachzeitschrift der Wirtschaftsprüfer etc.) ist – verfasst von den Autoren Tobias F. Rohner und Andrea B. Bolliger, beides Rechtsanwälte, dipl. Steuerexperten und tätig bei Baker  MCKENZIE, Zürich – ein Fachbeitrag über die „Mehrwertsteuerliche Aspekte von Initial Coin Offerings“ erschienen mit der (neben vielen!) Aussage: „Die Ausgabe von Asset Token stellt keinen Umsatz dar„.

Nachfolgend kann ich nur auf diese für alle Fachkollegen sehr wichtigen Aussage (kurz) eingehen.

Die Autoren definieren den „Asset Token“ (AT) folgendermassen: „AT stellen Vermögenswerte dar. AT können insbesondere eine Forderung im Sinne des Schuldrechts gegenüber dem Emittenten (Obligation, Darlehen, Forderung) oder ein Mitgliedschaftsrecht im Sinne des Gesellschaftsrechts darstellen. Wirtschaftlich sind AT etwa Aktien, Anleihen und Derivaten gleichzustellen“.

Schon hier gibt es zwischen der Wissenschaft und der Verwaltung Misstöne: während die Verwaltung (ESTV) bei der Ausgabe von „Asset Backed Tokens“ von einer von der MWST ausgenommenen Leistung (MWSTG 21 II Ziff. 19 lit. c) ausgeht, verwerfen die beiden Autoren (denen ich mich übrigens voll und ganz anschliesse) diesen Ansatz, indem sie nämlich zu Recht argumentieren, dass die „Finanzierungsvorgänge, auch wenn sie gegen Ausgabe von Token geleistet werden, fliessen weder direkt noch indirekt in die Leistungserstellung der Emittentin , weshalb bereits ein Steuerobjekt gänzlich fehlt“.

Ich weiss, dass ist  „High Tec“; es ist aber wichtig, dass wir – gerade im Stadium der Morgenröte dieser Zukunftstechnologien – die Weichen (gemeint sind Definitionen) richtig stellen.

Den Autoren sei an dieser Stelle Dank ausgesprochen, dass sie den „Stier an den Hörnern“ gepackt haben.