Allgemein, Firmensteuern, MWST, Persönliche Steuern, Steuervorlage 2017 (SV17)

279. Verrechnungssteuer bald RIP? By Michael Leysinger, LL.M. International Tax Law (UZH); dipl. Steuerexperte. SV17

(05.07.2018) Die Verrechnungssteuer (VSt) gehört abgeschafft, da das  „Bankkundengeheimnis“ faktisch nicht mehr existiert. Nur die Landwirte schlagen noch die letzte Schlacht am Tigerberg, denn ohne dem Schwarzgeldmodell kommen sie vermutlich nicht zu ihren Subventionen (das ist lediglich – wie gesagt – eine Vermutung des Autors und vieler seiner Bekannten!).

Die „Amtsvorgänger“ der VSt waren die Couponabgabe (1921), die Quellenwehrsteuer (1940), die Verrechnungssteuer (1943), die Sicherungssteuer (1945). Alle die wurden 1965 durch die heute noch geltende Verrechnungssteuer abgelöst.

Die Grundidee war seinerzeit, Steuersubstrat zu sichern. Typisches Beispiel: Onkel Oskar hält (bis vor kurzem noch möglich!) Inhaberaktien eines grossen schweizerischen Konzerns, der üppig Dividenden zahlte. „Wegen der Frau“ hielt Onkel Oskar diese Aktien geheim und sie wurden demzufolge auch nicht deklariert und damit auch nicht „ordentlich“ besteuert. Onkel Oskar fühlte sich nicht als Defraudant – er hatte ja schliesslich auf den Dividenden 35% Verrechnungssteuer bezahlt.

Ab diesem Jahr werden alle Guthaben, Zinsen, Dividenden etc. den nationalen und internationalen Steuerämter gemeldet (Schweiz für Schweizer vorläufig noch nicht) und deshalb kann davon ausgegangen werden, dass sämtliche von der VSt belangten Kapitalerträge auch ordentlich besteuert werden.

Es wäre also an der Zeit die VSt abzuschaffen. Wenn nämlich die jetzt noch VSt zahlenden ausländischen Defraudanten merken, dass die ausländischen Steuerbehörden aufgrund von AIA – Meldungen besteuern und sie gleichwohl noch die VSt bezahlen, so werden sie wohl den Boxhandschuh in den Ring werfen und das VSt – trächtige Investment verkaufen.

Wenn die neuen Tausender- und Hunderternoten kommen, dann wissen wir auch, dass die Botschaft der Steuerehrlichkeit auch bei den Landwirten angekommen ist.