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259. Vorsteuerabzug à gogo? By Michael Leysinger, LL.M. International VAT/MWST FH; dipl. Steuerexperte. SV17.

(15.06.52018) Eine (selbsternannte?) Kunsthändlerin glaubte i.S. Mehrwertsteuer sehr kreativ zu sein.

Aus 2C_321/2017 ist folgendes zu entnehmen: Sie ist im Kunsthandel tätig (Kauf und Verkauf von Kunstwerken).

In den Steuerperioden 2002 – 2008 war sie demzufolge im Register der Mehrwertsteuerpflichtigen eingetragen – war also subjektiv mehrwertsteuerpflichtig.

Ende Steuerperiode 2008 teilte sie der ESTV mit, dass sie ihre Tätigkeit als Kunsthändlerin eingestellt habe; man solle sie aus dem Register der Steuerpflichtigen streichen; was die ESTV dann prompt auch tat.

Ein Jahr später besann sie sich und meldete sich bei der ESTV wieder als Steuerpflichtige an; sie wurde prompt wieder registriert. Denn Sie hatte ein Kunstwerk importiert und entsprechen Einfuhrsteuer bezahlt.

Trotz dieser erneuten Anmeldung wurde bis 2013 kein Umsatz gemeldet; auf diesen Zeitpunkt hin meldete sich die ESTV und entfernte die Steuerpflichtige aus dem Register der Steuerpflichtigen. Grund: fehlende Umsätze (MWSTG 10 I: „Steuerpflichtig ist, wer unabhängig von der Rechtsform, Zweck und Gewinnabsicht ein Unternehmen betreibt…..Ein Unternehmen betreibt, wer eine auf die nachhaltige Erzielung von Einnahmen aus Leistungen ausgerichtete berufliche oder gewerbliche Tätigkeit ausübt ….“ dies während der steuerpflichtigen Zeitperiode.

Gleichzeitig wurde auch der Antrag auf Rückerstattung der Einfuhrsteuer (wen wunderts?) abgewiesen.

Der Fall mag banal klingen – ist er aber nicht.

Die „Kunsthändler“ sind (offenbar nach dem Fall „S“) seitens der Steuerbehörden  Objekt besonderes genauen Betrachtungen geworden, die im „worst case“ zum „casus belli“ führen können.

Ich vermute einmal: viele kunstafine Privatpersonen sind sich nicht bewusst, dass hinter ihren Kunstwerken ein aufmerksames, virtuelles VAT-Auge lauert. Und dieses Auge sieht Geld, sehr viel Steuergeld.