MWST, Steuervorlage 2017 (SV17)

210. Neues zur „fiktiven Vorsteuer“; By Michael Leysinger, LL.M. International VAT/MWST(FH); SV17.

(27.04.2018). Im gestrigen Blog 209 habe ich mich intensiv mit der Margenbesteuerung befasst. Anhand eines praktischen Beispiels (Verkauf meines Oldtimers 2CV durch meine (künftigen) Erbinnen) konnten Leserinnen klar nachvollziehen, welche Ziele der Gesetzgeber im Visier hatte.

Die Einführung der Margenbesteuerung hatte natürlich auch zur Folge, dass der fiktive Vorsteuerabzug neu parametrisiert werden musste.

In MWSTG 28a I a wird neu geregelt, dass Betriebsmittel, die nicht zum Wiederverkauf erworben wurden, den fiktiven Vorsteuerabzug geltend machen können.

Ich weiss, das ist schwer verständlich; deshalb illustriere ich dies anhand eines Beispiels.

Pauline hat vor 2 Jahren ein Fahrzeug (4×4 Van) für private Zwecke erworben und verwendet dieses ab sofort für ihr eben gegründetes mehrwertsteuerpflichtiges Geschäft. Der Kaufpreis des Van betrug CHF 60.000 inkl. 8% MWST.

Der Van wird nun ausschliesslich für geschäftliche Zwecke verwendet; Pauline besitzt noch einen „Porsche“ den sie nur für private Zwecke fährt. Die Kinder werden neu von ihrem Mann chauffiert.

Pauline legt nun per 01.01.18 den Van in ihr Geschäft ein und bucht: Geschäftsfahrzeug an Privat CHF 36.000 (CHF 60.000 abzgl. Abschreiber für 2 Jahre à jeweils CHF 12.000). Den fiktiven Vorsteuerabzug berechnet sie wie folgt: 36.000 / 107.7 * 7.7 = CHF 2.573.82.

Ihr (aggressiver) Mehrwertsteuerberater rät ihr aber folgendes: 36.000 / 108 * 8 = CHF 2.666.70. Das sei ja die effektive Mehrwertsteuer, die sie bezahlt hat.

Pauline winkt ab und sagt: „Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist“.

Wer hat da wohl Recht?