MWST, Steuervorlage 2017 (SV17)

209. Margenbesteuerung forts. (vgl. Beitrag 208 von gestern). By Michael Leysinger, LL.M. International VAT/MWST(FH). SV17.

(26.04.2018). Wie ich gestern dargelegt habe, wurde die Margenbesteuerung auch deshalb wieder eingeführt, um sicherzustellen, dass beim Einkauf durch einen mehrwertsteuerpflichtigen Käufer von zum Wiederverkauf bestimmten Sammlerstücken die Mehrwertsteuer „wiederhergestellt“ wird. Also quasi ein „Welcome Back to the Club“.

Das ist zugegebenermassen kompliziert formuliert (was nicht für mich spricht, ich weiss!); deshalb möchte ich dies an einem Beispiel illustrieren.

Ich bin stolzer Besitzer eines „säublueme-gelben Citroën 2CV, Jahrgang 1986“ (also ein „Oldtimer, älter als 30 Jahre). Da ich mit diesem Auto viele schöne Erinnerungen teile werde ich den 2CV lebzeitig nicht verkaufen.

Meine Erben werden das aber vermutlich tun. Nehmen wir einmal an der Handel kommt zum Preis von CHF 10.000 zustande (was natürlich viel zu wenig ist!).

Die Käuferin ist die mehrwertsteuerpflichtige „Wertvolle-Auto-Occasion AG“ (WAO). Diese Gesellschaft ist – wie gesagt – subjektiv mehrwertsteuerpflichtig und verkauft mein schönes Auto für CHF 20.000 + 8% MWST an die nicht mehrwertsteuerpflichtige Anne LeGrand.

Die Eidg. Steuerverwaltung ESTV, Hauptabteilung Mehrwertsteuer erhält aus dieser Transaktion einen Betrag von CHF 1.600 (8% von CHF 20.000); ist das „gerecht“?

Nein, natürlich nicht! Die Mehrwertsteuer hat Mehrwerte zu besteuern und nicht Umsätze.

Der von der WAO generierte Mehrwert (Marge!) beim Verkauf des 2CV an Anne LeGrand beträgt CHF 10.000 (20.000 – 10.000 = 10.000).

Aus diesem Grund muss WAO nur die Wiederverkaufsmarge von CHF 10.000 versteuern (8% von 10.000 = CHF 800).

Für „Profis“ Achtung: die Abgrenzung zwischen Margenbesteuerung und fiktivem Vorsteuerabzug ist nicht immer ganz einfach…!