Allgemein, MWST, Steuervorlage 2017 (SV17)

142. Mehrwertsteuer beim Versandhandel; neue Regelungen. By Michael Leysinger, LL.M. International VAT/MWST FH.

(19.02.2018). Bevor wir uns mit dieser Frage befassen, muss man wissen, dass die Schweiz eine sog. Einfuhrsteuer (nicht zu verwechseln mit dem Zoll!) kennt. Wenn also jemand Waren über die Landesgrenze in die Schweiz importiert, muss er oder sie diese bezahlen. Der Tarif beträgt 7.7 bzw. 2.5% und entspricht damit den bekannten Mehrwertsteuersätzen.

Wenn der Warenwert heute egal CHF 65 oder tiefer ist, so wird beim Steuersatz von 7.7% keine Einfuhrsteuer erhoben (beim Steuersatz von 2.5% sind es CHF 200).

Ab 1. Januar 2019 ändert sich das. Wenn der (in- oder ausländische) Versandhändler aus solchen Kleinsendungen einen Jahresumsatz von mindestens CHF 100 000 erzielt, so wird er in der Schweiz subjektiv steuerpflichtig.

Beispiel: Versandhändler „Rougelino“ in Frankreich liefert Mary Pritty-Nice in der Schweiz einen tollen Pully für CHF 64.90; es ist grundsätzlich keine Mehrwertsteuer geschuldet (Steuerbetrag ist kleiner als CHF 5.00).

Wenn nun aber „Rougelino“ während eines Jahres ab 01.01.19 1541 solcher Pullys liefert, so erzielt er in der Schweiz einen Umsatz von mehr also CHF 100.000 (1541 * 64.90 = CHF 100’010.90) und wird damit in der Schweiz mehrwertsteuerpflichtig.

Es stellt sich nun die Frage wer diese Mehrwertsteuer trägt – Mary Pritty-Nice oder „Rougelino“? Sie können zwei mal raten: ich tippe auf die arme Mary Pritty-Nice!

Aber auch in diesem Fall muss Versandhändler „Rougelino“ bluten: er wird nämlich einen Steuervertreter in der Schweiz bestellen müssen; das ist mit Kosten verbunden.

Und auch Mary Pritty-Nice hat nichts zum Lachen: sie muss nämlich damit rechnen, dass künftig alle im Ausland per Versandhandel bestellten Produkte teurer werden.