Allgemein, Persönliche Steuern

135. Der Unterschied zwischen Verzugszinsen und Negativzinsen (Strafzinsen); by Michael Leysinger, LL.M. Taxation; dipl. Steuerexperte; SV17

(12.02.2018) Verspätungs- bzw. Verzugszinsen entstehen dann, wenn eine Forderung zu spät bezahlt wird. Meistens sind die Zinssätze recht happig. Hat es Masochisten unter Ihnen, so „vergessen“ Sie doch einmal ihren sich im Soll befindlichen Kreditkartensaldo zu bezahlen; Sie werden Ihr blaues Wunder erleben.

Auch Verzugszinsen auf Steuerschulden sind abzugsfähig (wird übrigens von der Steuerpflichtigen und deren Berater (!!) oft vergessen!); gilt auch für die in einer Nachsteuer enthaltenen Verzugszinsen (wichtig zu wissen für all diejenigen, die eine „Straflose Selbstanzeige“ gestartet haben).

Ergiebig ist dieser Abzug schon deshalb, weil er in der für den Steuerpflichtigen massgebenden obersten Progressionstarif wirkt (im Steuerjargon nennen wir das „Grenzsteuersatz“).

Der Verzugszins darf nicht verwechselt werden mit dem Negativzins (Strafzins). Der Negativzins entsteht ja nicht durch ein Schuldverhältnis; sondern im Gegenteil! Betroffen wird diejenige, die „zuviel“ Geld anlegt und entsprechen dafür zahlen muss. Dieses „perverse“ System wird allerdings – so prognostiziere ich es – bald nicht mehr geben, wenn Herr D.T. in W. so weitermacht (steigende Zinssätze).

Da ich noch über ein bisschen Platz verfüge, bitte ich Sie, im „stillen Kämmerlein“ über die folgende Logik nachzudenken: Bei „normalen“ Verhältnissen wird für ein gewährtes Darlehen ein positiver Zins bezahlt – sagen wir einmal 3% (Inflationsrate 1%). Dieser Zins unterliegt gnadenlos der Einkommenssteuer (z.B. 40%, Grenzsteuersatz). Anders beim Negativzins: kein Steuerabzug möglich (z.B. -1%, negative Inflationsrate ebenfalls 1%). Stimmt die Steuerlogik (Grundsatz: Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit)? Ich weiss es selber nicht; werde aber auch darüber nachdenken.